FSJ in der Altenpflege

Die Pflege älterer Menschen nimmt insbesondere aufgrund des demografischen Wandels in Deutschland einen immer größeren Stellenwert ein. Auch bei Freiwilligendiensten sind Einsatzstellen im Bereich der Altenhilfe und –pflege ganz klassische Einsatzfelder und spielen eine wichtige Rolle. Dabei sind die Aufgaben vielfältiger als viele Menschen vielleicht zu Beginn denken.

Umgeben von der Mosel und Weinbergen liegt das Altenheim St. Josef in Schweich, in welchem Aaron bereits seit September 2021 sein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert.

Lieber Aaron, warum hast du dich dafür entschieden, einen Freiwilligendienst im Altenheim St. Josef zu machen – und was sagen deine Eltern oder deine Freunde dazu?

„Ich wollte mir diesen Beruf in Ruhe anschauen, ohne direkt eine Ausbildung absolvieren zu müssen. Mein Umfeld hat überwiegend positiv auf meine Entscheidung reagiert, dass ich im sozialen Bereich arbeiten möchte.“

Erzähl‘ uns von einem normalen Tag im Freiwilligendienst bei dir!

„Ich beginne im Normalfall meinen Arbeitstag um 8.00 Uhr. Als erstes ziehe ich mich um und fange mit der Pflege an. Im Anschluss mache ich die Betten und frage die zuständige Fachkraft nach besonderen (Tages-)Aufgaben. Falls nichts Wichtiges anliegt, erledige ich die ersten Toilettengänge mit den Bewohner*innen. Zwischen 13.00 und 14.00 Uhr mache ich meine einstündige Pause und verteile danach den Kaffee und Kuchen an die Bewohner*innen. Danach helfe ich beim Hinlegen von manchen Bewohner*innen für die Mittagspause.

Was sind deine 3 Hauptaufgaben im Freiwilligendienst?

Meine 3 Hauptaufgaben im Freiwilligendienst sind 1. in der Pflege helfen, 2. Botengänge erledigen (Rezepte bei verschiedenen Hausärzten einsammeln gehen) und 3. hauswirtschaftliche Tätigkeiten, wie bspw. Betten machen.“

Was war bisher dein Highlight aus deinen Bildungsseminaren?

„Mein Highlight aus den Seminaren ist, das ich viele neue Personen kennenlernen durfte, mit denen ich auch sicherlich auch nach meinem Freiwilligendienst in Kontakt bleiben werde.“

Warum würdest du auch anderen Menschen einen Freiwilligendienst weiterempfehlen?

„Ich würde den Freiwilligendienst weiterempfehlen, weil man dadurch eine gewisse Reife und eine eigene Meinung bzw. eine eigene Sichtweise auf dieses Berufsfeld mitnehmen kann.“

 

Lieber Herr Henrich, Sie sind Aarons Praxisanleiter und betreuen ihn während seines FSJs in der Einsatzstelle. Warum haben Sie sich dazu entschieden, Freiwillige im St. Josef Altenheim einzusetzen?

„Die Einrichtung des Freiwilligendienstes halten wir für eine wichtige Institution im Bereich des Sozial- und Gesundheitswesens. Aus eigener Erfahrung, als ehemaliger Zivildienstleistender, kann ich bestätigen, dass diese Arbeit den Charakter eines jungen Menschen formt und seine Entwicklung in Richtung Verantwortungsbewusstsein und Solidarität fördert. Zudem wird im Bereich der Pflege jede helfende Hand gebraucht. In unserer Einrichtung kann man von einer Tradition sprechen, in der die meisten Freiwilligen nach ihrem Dienst bleiben und eine Ausbildung aufnehmen. Das heißt, der Freiwilligendienst hat für uns auch im Hinblick auf das Kennenlernen der Pflege und die Auszubildendengewinnung eine sehr große Bedeutung. Viele der ehemaligen Freiwilligen haben eine Ausbildung in unserem Haus begonnen bzw. abgeschlossen und sind heute unsere Kolleg*innen. Daher stehe ich mit vielen auch im Nachgang zu ihrem Freiwilligendienst noch nahezu täglich in Kontakt.“

Was machen die Freiwilligen bei Ihnen in der Einrichtung?

„Denkbar sind verschiedene Einsatzgebiete. So hatten wir auch bereits Freiwillige in unserer Tagespflege. Aktuell werden Freiwillige aber auf den Wohnbereichen in der Pflege eingesetzt. Dabei erhalten sie vielfältige Aufgaben, an die sie langsam herangeführt werden. Botengänge, Arztbesuche und Spaziergänge mit Bewohner*innen sind typische Tätigkeiten. Die direkte Unterstützung des Pflegeteams bildet einen weiteren Eckpfeiler. Vom Bettenmachen, Aufräumen und in Ordnung halten von Rollstühlen, Rollatoren und ähnlichem, über Essensausgabe und Anreichen von Speisen und Getränken bis hin zu vielfältigen Aktivitäten im Bereich der Freizeitgestaltung mit den Bewohner*innen, gibt es viel zu tun. Fortgeschrittene Freiwillige, die sich das zutrauen und das auch möchten, werden schrittweise an die Pflege von älteren Menschen herangeführt. Dabei werden sie sowohl vom Pflegeteam als auch von einer ihnen zugeteilten Praxisanleitung angelernt und unterstützt. Sie helfen dann den Pflegebedürftigen bei der Körperpflege, beim Duschen und auch bei Toilettengängen. Viele junge Menschen wachsen über sich hinaus und erledigen souverän Tätigkeiten, die sie sich vorher nie zugetraut haben. Wir haben hier in den letzten Jahren mit unseren Freiwilligen sehr gute Erfahrungen gemacht. Sie waren uns eine große Hilfe und eine wertvolle Bereicherung für unser Team.“

Wie begleiten Sie Ihre Freiwilligen unterstützend in ihrem Dienst?

„Zu Beginn erhalten die Freiwilligen eine*n Mentor*in aus dem Pflegeteam, die*der sie mitnimmt und engmaschig anlernt bzw. unterstützt. Bei Aufgaben außerhalb der Pflege werden sie oft von anderen, erfahreneren Freiwilligen, angelernt, die ihnen z.B. alle wichtigen Örtlichkeiten in unserer Stadt zeigen und Tipps für die Erledigung der anfallenden Aufgaben geben. Jede*r Freiwillige hat zusätzlich eine Praxisanleitung, die ihm zugeteilt ist. Diese nimmt sich einmal im Monat Zeit für die*den Freiwillige*n und begleitet sie*ihn in der Pflege, plant Einheiten zu speziellen bzw. gewünschten Themen und führt Gespräche zu aktuellen Anliegen und Problemen. Zudem ist die Praxisanleitung selbst im Team eingesetzt und meist als Ansprechperson vor Ort. Viele Freiwillige lassen sich auch hinsichtlich ihres weiteren beruflichen Werdegangs beraten. Dies hat aktuell hohe Relevanz wegen der neuen generalistischen Pflegeausbildung und den mannigfaltigen damit einhergehenden Änderungen.“

Sie begleiten ja schon länger Freiwillige während ihres Freiwilligendienstes. Was war Ihr schönstes Erlebnis in der Arbeit mit Freiwilligen?

Es gibt für mich nicht das eine schöne Erlebnis. Vielmehr freue ich mich immer wieder, die Entwicklung der Jugendlichen zu beobachten, die sicher nicht oft im Leben so große Sprünge macht. Für die meisten ist der Freiwilligendienst ein Übergang von der Schule in das Berufsleben. Die Aufgaben und die Umgebung ändern sich fundamental. Das verlangt Anpassung und Weiterentwicklung. Zu Beginn merkt man oft Unsicherheit, großen Respekt vor den gestellten Aufgaben und auch etwas Angst. Innerhalb der ersten Monate wandelt sich dies. Die Freiwilligen wirken dann so, als wären sie schon immer hier im Haus, als wären sie fester Teil der Gemeinschaft aus Personal und Bewohner*innen. Jede*r Freiwillige entwickelt zu verschiedenen Bewohner*innen geradezu freundschaftliche Bindungen und die Integration in unser Team funktioniert erstaunlich gut. Dabei muss ich gestehen, dass ich manchmal auch zu Beginn Bedenken habe, so junge Menschen mit vergleichsweise geringer Lebenserfahrung in der Pflege einzuspannen. Am Ende werde ich fast immer positiv überrascht von der jungen Generation, die an anderer Stelle auch schon als Generation Lebensunfähig betitelt wurde. Als Fazit: Freiwillige geben uns viel, aber sie nehmen auch sehr viel für ihr weiteres Leben mit!

Wenn Sie zusammenfassend drei Begriffe finden müssten, die für Sie für den Freiwilligendienst stehen?

Unverzichtbar, Persönlichkeitsförderung, Berufsfindung

 

Dieses Interview entstand mit einem Freiwilligen, der beim Soziale Lerndienste im Bistum Trier eingesetzt sind. Weitere Träger, die einen Freiwilligendienst in der Altenpflege/- hilfe anbieten sind:

Arbeitsstelle Frieden und Umwelt

ASB Landesverband RLP e. V.

AWO Saarland / Rheinland-Pfalz

BDKJ Diözesanverband Speyer

bpa gGmbh • bpa-Geschäftsstelle Rheinland-Pfalz

BDKJ Mainz

Caritasverband für die Diözese Mainz e.V.

Caritasverband für die Diözese Speyer e.V.

Club Aktiv e. V.

Der Paritätische LV Rheinland-Pfalz/Saarland e.V.

Diakonisches Werk Rheinland Westfalen-Lippe e.V.

Diakonisches Werk der evang. Kirche der Pfalz

DRK Landesverband Rheinland-Pfalz e.V.

Evangelische Freiwilligendienste – Diakonie Hessen

EVIM – Evangelischer Verein für Innere Mission in Nassau

Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg

FID e.V.

FSJ im Elim-Zentrum

IB Südwest gGmbH, Betrieb Rhein-Mosel

IB Südwest gGmbH Kaiserslautern

IB Südwest gGmbH Mainz

Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.

Malteser Hilfsdienst e.V.

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