Freiwilligendienst in der Fachberatung Migration und Integration

Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung finden in der Fachberatung Migration und Integration der Caritasberatungszentren bei allen Fragestellungen sowie in allen Lebenslagen Beratung und Unterstützung. Seit dem Frühjahr 2022 unterstützt Vanessa mit ihrem Bundesfreiwilligendienst (BFD) Roman Kammer in der Migrations- und Integrationsberatung Bad Dürkheim. Dort gibt es die Schwerpunkte „Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer“, sowie den „Migrationsfachdienst“.

 

Fragen an Vanessa:

Frage: Warum hast du dich für einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in der Migrationsberatung entschieden?

Vanessa: Persönlich bin ich nicht der Typ für die Pflege und habe vor meinem eigenen Freiwilligendienst (FWD) vor allem von der Möglichkeit eines BFD in der Pflege gehört. Im Internet habe ich die Möglichkeit gefunden diesen in der Migration zu machen. Ich habe dann hospitiert und es hat mir gut gefallen. Das Thema Migration interessiert mich, sowie alle Themen wie Rassismus, Ausgrenzung, Antisemitismus, Homophobie, Feminismus etc., die Ausgrenzung und Diskriminierung zur Folge haben.

Wie läuft ein typischer Tag in deiner Einsatzstelle (EST) für dich ab?

Vanessa: Wenn ich ankomme hole ich mir erstmal einen Kaffee, checke meine E-Mails und schaue, welche Aufgaben noch erledigt werden müssen. Oftmals habe ich einen Termin auf den ich mich vorbereite oder es gibt Termine, die nachbereitet werden müssen.
Mein Tätigkeitsbereich umfasst unterschiedlichste Themen, neben inhaltlichen Terminen und der Begleitung von Fällen, sind das auch Aufgaben wie, der Empfang (sog. „onboarding“), den Türdienst und Telefondienste. In Absprache nehme ich Kund*innen-Termine war (analog Klient*innen). Nehme an Teamsitzungen, Intervisionen, sowie bei Netzwerktreffen mit anderen Interessensvertreter*innen in der Region teil. Darüber hinaus gibt es tägliche Rücksprachen und Abstimmungen mit Roman. Die Arbeit ist vielfältig, da oftmals dringliche Fälle dazwischenkommen, muss ich flexibel sein und kann ziemlich selbstbestimmt und eigenverantwortlich arbeiten. In Absprache kommuniziere ich auch selbstständig mit Behörden.

Ist der BFD in diesem Bereich für dich persönlich eine gute Entscheidung?

Vanessa: Wenn ich nach der Schule genau gewusst hätte was ich gewollt hätte, hätte ich den BFD wahrscheinlich nicht gemacht. Ich habe den BFD zunächst vor allem gewählt um mein Fachabitur durch den FWD zu bekommen und um als Orientierungshilfe zu nutzen, dass dabei so eine interessante Tätigkeit herauskommt, wusste ich im Vorfeld nicht.

Würdest du einen BFD in der Migrationsberatung empfehlen und wenn ja, warum?

Vanessa: Ich kann diesen auf jeden Fall empfehlen. Gerne erzähle ich auch meinen Freund*innen davon. Der Migrationsbereich ist so ein großes und interessantes Thema. Direkt mit dem Thema und allem was damit einhergeht, arbeiten zu können schafft einen anderen und erweiterten Blickwinkel auf Vieles.

Was war bisher dein spektakulärstes Erlebnis?

Vanessa: Es gibt kein einzelnes Erlebnis. Die Dankbarkeit der Menschen, die wir beraten, zeigt sich nicht spektakulär aber sie ist das Schönste, ich kann es nicht an einem Erlebnis fest machen.

Wie war die begleitende Bildungsarbeit, was waren dabei deine Highlights?

Vanessa: Die Seminare fand ich bisher richtig toll, die Themenauswahl super. Ich hatte es mir wie Schulunterricht vorgestellt aber es ist das genaue Gegenteil, wir Freiwilligen können die Themen mitbestimmen. Die Arbeit in der Gruppe, die Zeit für Gespräche auch Aktionen wie bspw. Kanufahren fand ich super. Auch die Mehrheit der anderen Freiwilligen war positiv überrascht über die Seminare. Beispielsweise das Seminar „Politische Bildung“, das hat für mich und andere nicht spannend geklungen und war dann super. Man kann auf den Seminaren Freundschaften schließen und bekommt durch den Austausch mit Freiwilligen, die in ganz anderen Bereichen ihren Dienst leisten, einen Einblick in andere Tätigkeitsfelder.

Hat der Freiwilligendienst dich verändert?

Vanessa: Ich würde sagen, dass ich mich schon in gewisser Art verändert habe. Ich kann offener mit Menschen kommunizieren und mehr aus mir herauskommen.

Was hast du nach dem BFD vor und hat dieser deine Entscheidung für eine bestimmte Ausbildung/Studium beeinflusst?

Vanessa: Ich möchte mich bei der Polizei bewerben, das hatte ich immer als Option im Hinterkopf. Durch die Zeit die ich durch den BFD gewonnen habe, hat sich der Gedanke verfestigt, dass ich mich tatsächlich bewerbe. Ich finde, dass der BFD insofern einen positiven Einfluss darauf hatte, dass der Themenbereich Migration ja auch bei der Polizei ein großes Thema ist.

Was nimmst du mit, was sind die wichtigsten „lessons learned“ für dich?

Vanessa: Wie man mit fremden Menschen umgeht, die richtigen Worte zu finden und Offenheit zu zeigen. In der Schule war ich keine Überfliegerin, hier konnte ich lernen, dass ich nicht dumm bin und Kompetenzen habe.

Könntest du deinen Freiwilligendienst in drei Begriffen zusammenfassen?

Vanessa: Abwechslungsreich, lehrreich und persönliche Entwicklung

 

Fragen an Roman Kammer:

Warum habt ihr euch entschieden den BFD anzubieten und wie lange arbeitet ihr bereits mit Freiwilligen?

Roman Kammer: Schon bevor ich bei der Caritas angefangen habe, gab es hier Freiwillige. Wir bekommen jemanden der*die uns unterstützen kann und wir haben dadurch auch Menschen die wir unterstützend in ihrer Entwicklung begleiten können. Ihnen Themen, wie bspw. Integration, näher bringen zu können mit denen sie evtl. vorher keine oder wenig Berührungspunkte hatten.
Seit 2015 gibt es die Außenstelle in Bad Dürkheim und seitdem gab es FW im Bereich der Migrationsberatung. Die bisherigen FW waren eine große Unterstützung für uns Hauptamtlichen und die Stelle soll nach Möglichkeit fortlaufend besetzt werden. Es ist ein Arbeiten auf Augenhöhe, was auch durch unsere Leitung gefördert wird. Wir tauschen Meinungen aus und Meinungen werden gehört, bzw. ernstgenommen.

Gibt es Möglichkeiten für die Freiwilligen eigene Projekte umzusetzen?

Roman Kammer: Ja, zum Beispiel das Instagram-Projekt, das Vanessa initiiert hat. Sie pflegt es und betreibt damit auch Öffentlichkeitsarbeit, erreicht Personengruppen, die über klassische Medien nicht erreicht werden. Egal welche Aktionen stattfinden, wir versuchen dabei immer das Thema Migration in die Öffentlichkeit zu bringen und Raum für Information, Begegnung und Austausch zu schaffen. So bspw. auch beim „day for rescue“ oder „run for rescue“. In der Pipeline stehen auch noch ein Musik- und Kochprojekt, sofern es der Arbeits-Alltag zulässt.

Wie funktionieren die Begleitung und der Austausch mit den Freiwilligen?

Roman Kammer: Wir sehen uns täglich, da wir Zimmer an Zimmer arbeiten. Updates und Austausch erfolgen je nach Bedarf, auch mehrmals täglich. Wir haben uns früh abgesprochen, dass wir auch feste Termine haben. Bei diesen arbeiten wir auch mit vorgegebenen Kommunikationsmustern wie dem BFD-Fahrplan und übernehmen daraus Ideen für die Gestaltung des BFD.

Wie reagieren die Menschen, die ihr beratet, auf die Freiwilligen?

Roman Kammer: Wir versuchen in der Migrationsberatung Sprache so einfach wie möglich zu halten. Da aufgrund von Sprachbarrieren der Begriff FWD/BFD schwierig ist, wird Vanessa als Kollegin bezeichnet und wird genauso wie ich von den Kund*innen akzeptiert oder angefragt.

Was sind für dich Highlights in der Zusammenarbeit mit Vanessa/den Freiwilligen?

Roman Kammer: Es gibt kein herausstechendes Beispiel. Ich finde die Offenheit, die sie mitbringt und große Neugier für den Themenkomplex super. Ihre Motivation, bspw. auch beim Fest der Kulturen an einem Sonntag, war Vanessa voller Eifer und gut gelaunt dabei und hat sich für unsere Themen eingesetzt. Jemand der am Anfang des BFD eher schüchtern war und sich als introvertiert gesehen hat ist nach 6 Monaten BFD-Kurssprecherin, sie ist selbstsicherer und selbstbewusster und hat sich in Fachbereichen Kompetenzen angeeignet, das ist beeindruckend. Ich denke, das sind alles Erfahrungen von denen sie auch zukünftig in anderen Situationen profitieren kann.

Hast du selbst einen Freiwilligendienst gemacht?

Roman Kammer: Ich selbst habe noch 9 Monate Zivildienst in einer kirchliche Sozialstation absolviert. Ich hätte wahrscheinlich auch ohne Pflichtdienst einen FWD gemacht, weil ich nicht wusste, was ich machen möchte und so einen Plan hatte, der mir Struktur und Zeit für die Entscheidung wie es weitergehen soll gegeben hat. Ich persönlich kenne niemanden, der seinen Dienst nicht gut fand.

Bleibst du nach dem Dienst mit den Freiwilligen in Kontakt?

Roman Kammer: Mit dem letzten Freiwilligen verbindet mich mittlerweile ein freundschaftliches Verhältnis und er unterstützt uns immer wieder ehrenamtlich. Wenn Vanessa mit mir oder der Einrichtung in Kontakt bleiben will, freue ich mich darüber. Ich sehe es aber nicht als „Muss“ nach der Dienstzeit in Kontakt zu bleiben.

Welche drei Begriffe stehen für dich für den BFD/Freiwilligendienst?

Roman Kammer: Sinnstiftend, Kompetenzfördernd/-erweiternd, solidarisch

 

Dieses Interview entstand mit Freiwilligen, die eingesetzt sind bei der Caritasverband für die Diözese Speyer e. V.. Weitere Träger, die ein FSJ in Bereich ‚Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung‘ anbieten sind:

BDKJ Bischöfliches Jugendamt Diözese Mainz

Club Aktiv e. V.

Der Paritätische LV Rheinland-Pfalz/ Saarland e. V.

Diakonisches Werk Rheinland Westfalen-Lippe e. V.

Diakonisches Werk der evang. Kirche der Pfalz

DRK Landesverband Rheinland-Pfalz e. V.

Evangelische Freiwilligendienste – Diakonie Hessen

Fachstelle Freiwilligendienste im Bistum Limburg

IB Südwest gGmbh, Betrieb Rhein-Mosel

IB Südwest gGmbH Kaiserslautern

IB Südwest gGmbH Mainz

Malteser Hilfsdienst e. V.

netzwerk-m e. V.

Soziale Lerndienste im Bistum Trier