FSJ im Rettungsdienst

Das FSJ auf einer Rettungswache steht bei Freiwilligen hoch im Kurs

Neben spannenden ersten Berufserfahrungen im Bereich der Notfallmedizin bietet der Freiwilligendienst im Krankentransport für alle, die ein Medizinstudium oder eine Ausbildung im Gesundheitswesen planen, Einblicke u.a. in die Arbeit mit Krankenhauspersonal, Seniorenheimen, Patienten und Angehörigen. Lea und Amelie absolvieren derzeit ihr FSJ auf den Rettungswachen in Ludwigshafen und Kaiserslautern. Nach den ersten Monaten können sie über ihre Aufgaben in der täglichen Arbeit und ihren Erfahrungen bei den Bildungsseminaren berichten.

Erfahrungen sammeln

Das war für Lea und Amelie die Hauptmotivation für ein FSJ im Krankentransport.
Lea: „Mir wurde von einigen ehemaligen Kollegen viel Positives von der Rettungswache Ludwigshafen und dem FSJ berichtet. Da ich seit einigen Jahren gerne Medizin studieren möchte, war das FSJ eine optimale Möglichkeit, sich effektiv mit der Notfallmedizin auseinanderzusetzen, den Patientenkontakt und den Umgang mit verschiedenen Menschengruppen zu erlernen. Zudem geht das FSJ exakt 12 Monate und man bekommt im Rettungsdienst noch eine Rettungssanitäter-Ausbildung, mit welcher man später mal optimal jobben kann. Was mir sehr wichtig war, ist noch mal intensivierter herauszufinden, ob diese Fachrichtung wirklich das ist, was ich später mal beruflich machen möchte.“
Amelie: „Ich habe im März 2021 mein Abitur gemacht und wollte noch nicht direkt studieren oder eine Ausbildung machen, sondern erst mal Erfahrungen sammeln und ein bisschen arbeiten, weswegen sich ein Freiwilligendienst für mich einfach angeboten hat.“

Aufgaben im FSJ

Die Hauptaufgaben des Dienstes beurteilen die beiden ähnlich.

Lea: „Die drei Hauptaufgaben sind: Soziale und empathische Betreuung der Patienten, Anreichen von Material und Diagnostik sowie Behandlung und die Einsatzbereitschaft wiederherstellen.“

Amelie: „In meinem FSJ werde ich hauptsächlich im Krankentransport eingesetzt, weswegen besonders die Betreuung und der Transport von Patientinnen und Patienten in meinen Aufgabenbereich fällt und eben alles, was sonst noch so dazugehört. Beispielsweise muss jeden Tag vor Dienstbeginn kontrolliert werden, ob das Fahrzeug einsatzbereit und vollständig ausgestattet ist.“

Bildungsseminare

Bei den Bildungsseminaren steht vor allem der Austausch mit FSJlern und der Seminarleitung im Fokus.

Lea: „Highlights waren für mich der Austausch mit anderen FSJlern und der Tag, an dem wir in der Stadt mit Rollstühlen fahren konnten. Dadurch wurden uns die alltäglichen Schwierigkeiten, die baulichen Barrieren und die Sichtweise eines Rollstuhlgebundenen klar. Dieser Tag hat vor allem meine Empathie gegenüber solchen Menschen gesteigert.“

Amelie: „Für mich ist es besonders schön, dort Freunde wiederzusehen, die ich schon im Grundlehrgang für den Rettungssanitäter kennengelernt habe und mit ihnen Zeit zu verbringen. Aber auch neue Leute mit ähnlichen Interessen kennenzulernen und mich mit ihnen auszutauschen ist hilfreich. Außerdem finde ich es gut und in gewisser Weise entlastend, in den Seminarleitern jemanden zu haben, der mir meine Fragen zum Freiwilligendienst beantworten kann und auch da ist, um zu unterstützen und eventuelle Probleme zu lösen. Besonders für Leute wie mich, die gerade erst aus der Schule kommen und noch keine richtige Vorstellung von der Arbeitswelt haben, ist das sehr praktisch und gibt einem etwas mehr Sicherheit.“

Diese drei Begriffe stehen für Lea und Amelie für den Freiwilligendienst

So charakterisieren Lea und Amelie ihren Freiwilligendienst „Engagement, Motivation, Empathie“ (Lea) – „Erfahrung, abwechslungsreich, spannend“ (Amelie)

Die Sicht eines Leiters einer Rettungswache auf den Freiwilligendienst

Francois Perraudeau, Leiter der Rettungswachen Kaiserslautern und Schwedelbach, berichtet von seinen Erfahrungen:

Warum haben Sie sich dafür entschieden, mit Freiwilligen zu arbeiten?

Es ist gut, Freiwilligen die Möglichkeit zu geben, dieses Berufsfeld zu erkunden und Interesse für den Beruf des Notfallsanitäters oder medizinische Berufe allgemein zu wecken und so eine längerfristige Anbindung an uns anzubieten.

 Was machen die Freiwilligen bei Ihnen in der Einrichtung?

Wir bieten in Ludwigshafen und in Kaiserslautern jeweils vier Freiwilligenstellen an.
An den beiden Standorten haben wir jeweils zwei Krankentransportwagen und einen Rettungswagen (in Kaiserslautern in 12 Stunden-Schichten im Wechsel mit dem DRK). Die Freiwilligen werden nach ihrer Ausbildung zum Rettungssanitäter hauptsächlich im qualifizierten Krankentransport eingesetzt. Ab und an können sie Schichten auf dem Rettungswagen begleiten, um mehr Einsatzerfahrung zu bekommen.

Welche Aufgaben übernehmen die Freiwilligen in der Einsatzstelle?

Die Freiwilligen sind den Festangestellten absolut gleichgestellt und ein vollwertiges Teammitglied. Alle Aufgaben, die an der Rettungswache anfallen, werden gemeinsam im Team erledigt.

Was war ihr schönstes Erlebnis mit Freiwilligen?

Das ist schwer zu sagen. Generell ist es schön, die Entwicklung der jungen Menschen zu beobachten, die sie in dem Jahr an den Tag bringen. Ich erinnere mich beispielsweise gerne an einen Freiwilligen, der sich persönlich enorm weiterentwickeln konnte und nun seine Ausbildung zum Notfallsanitäter bei uns macht.

Bleiben Sie in Kontakt mit den Freiwilligen? Wenn ja, wie?

Meisten bleibt man in Kontakt, weil die Freiwilligen über längere Zeiträume als Aushilfen tätig werden oder gar in die Festanstellung oder in die Ausbildung wechseln.

Aktuell wird ein Ehemaligen-Projekt ins Leben gerufen, wo sich ehemalige und aktuelle Freiwillige – auch mit uns als Einsatzstelle – vernetzen und unterstützen.

Wie begleiten Sie Ihre Freiwilligen unterstützend ihn ihrem Dienst?

Wir führen mit den Freiwilligen drei Reflexionsgespräche im Jahr und ich selbst fahre auch Schichten mit den Freiwilligen, um sie besser kennenzulernen und so auch gut begleiten zu können. Nach den Einsätzen bieten wir Einsatznachbesprechungen an, damit vom Einsatz nichts mit nach Hause genommen werden muss.

Welche drei Begriffe stehen für Sie für den Freiwilligendienst?

Soziales Engagement, Verantwortung, Begleitung

 

Dieses Interview entstand mit Freiwilligen, die sich beim Malteser Hilfsdienst e.V. engagieren. Weitere Träger, die ein FSJ im Rettungsdienst anbieten sind: